Manuel Schmid: Absolute Autorität – in Theologie und Politik
Der globale Rechtsruck hat viele Ursachen. Häufig wird übersehen, dass es auch theologische Faktoren gibt, die eine grosse Rolle spielen. Manuel Schmid hat ein besonders interessantes, hierzulande kaum bekanntes Beispiel untersucht. Der Neu-Calvinismus hat im Kampf gegen liberale Tendenzen im evangelikalen Lager eine theologische Neuausrichtung durchgesetzt. Ihr Kernmotiv ist ein radikalisierter Gottesgedanke: Gott ist absolute Autorität, im strengen Sinne allwissend und allmächtig, immer mit sich eins, über jeden Zweifel erhaben.
Zwischen einem theologischen Gedanken und einer politischen Haltung gibt es nicht immer einen eindeutigen Zusammenhang. Hier sollte man sich vor Kurzschlüssen hüten. Aber eine Theologie, die auf der absoluten Autorität Gottes (und der Bibel) aufruht, verbunden mit einer höchst repressiven Theologie- und Kirchenkultur, fördert die Tendenz, auch in gesellschaftlichen und politischen Fragen rechtsextreme Optionen zu wählen.
In dem sehr lesenswerten, gerade erschienenen Band «Christlicher Nationalismus in den USA» (hg. von Thorsten Dietz und Maria Hinsenkamp) hat Manuel Schmid einen wirklich Augen öffnenden Beitrag veröffentlich, über den ich mit ihm in Zürich gesprochen habe.