Die Kultur der Gegenwart ist voller Religion
00:00:05: Nach draußen mit Klausen.
00:00:05: Einen Podcast von Johann-Hinrich Klaussen über Kultur und Religion.
00:00:13: Reflab!
00:00:17: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Mit Draußen, mit Klaussen.
00:00:22: Johann-Rinich Klauson bin ich evangelischer Theologo und Auto.
00:00:26: Und vor der heutigen Folge gleich am Anfang muss sich erstmal richtig Tief Luft holen und dann in der weiteren Folge unseres Gespräches langsam ausatmen, denn heute geht es tatsächlich um den Atem.
00:00:41: Und das Atmen?
00:00:42: was gibt es einfacheres, elementareres, lebensnotwendigeres als das atmen?
00:00:48: Weil's aber so normal und natürlich ist vergessen wir jetzt ganz oft wie wichtig das ist und achten nicht drauf Die deutsche Alterssprache weiß um die Bedeutung des Atmans, also außeratmen zu sein.
00:01:01: Das ist nicht so toll!
00:01:04: Noch schlimmer ist wenn es einem den Atem verschlägt.
00:01:06: das sind regelrecht lebensbedrohlich.
00:01:10: Aufatmen ist aber etwas ganz Wunderbares und nach draußen zu gehen um frische Luft zu schnappen Ist dann ein kleiner Genuss im Alltag.
00:01:22: Es gehört irgendwie auch zu den Zeichen unserer Zeit, dass das mit dem Atmen gar nicht so selbstverständlich ist.
00:01:29: Dass viele meinen es wieder lernen zu müssen und einüben zu wollen.
00:01:34: Dazu gibt es allerlei Angebote, Atemtherapie, einen regelrechten Atemmarkt.
00:01:40: Allerlei Angeboten manchmal sinnvoll.
00:01:43: Manchmal vielleicht auch weniger sinnvoll.
00:01:45: Ich habe durchaus gelernt wie sinnvoll sie sein können.
00:01:47: Das kann vielleicht Thema nachher sein Und ich habe vor kurzem nochmal richtig neu gelernt, welche Bedeutung der Atem in der Bibel hat überhaupt im Alten.
00:01:57: Orienne Ich gebe diese schöne Zeitschrift mit heraus – mit einem tollen Team.
00:02:02: Kunst und Kirche heißt sie!
00:02:04: Das aktuelle Heft widmet sich dem Thema Atem im Christentum aber auch in anderen Religionen.
00:02:12: Da war ein ganz wunderbarer Aufsatz von Nancy Rahn aus Bern, sie lehrt am Institut für Altes Testament Abteilung biblische Theologie und ihre Aktualisierung so heißt es ganz genau.
00:02:23: Ein sehr schöner Text über den Atem in der Bibel und auch ein bisschen Ausblick aufs den alten Ojen.
00:02:30: und aber auch weil das heisst ja abteilung biblische Theorie und ihre aktualisierung ist da auch die Aktualisierung dabei.
00:02:38: So lange kurze, lange Vorrede, kurzer Sinn.
00:02:41: herzlich willkommen in die Menenz Iran.
00:02:44: Vielen Dank Herr Klausen für die Einschörung.
00:02:48: War ein bisschen lang diesmal, aber das Thema beschäftigt mich.
00:02:51: und bevor wir gleich richtig einsteigen meine Einzigsfrage, die ich als Kulturbeauftragte wie so schön heiße Immerstelle ist was liebe Nancy Rahn war ihr letztes Kulturerlebnis?
00:03:05: Also Ich hatte eigentlich einen großen Plan für Kultur in diesem Herbst.
00:03:10: Ich wollte mir den neuen Film über Ingeborg Bachmann mit Sandra Hüller anschauen, gemeinsam eine Freundin in Bern im Kino und dann haben wir die Sendezeit verpasst.
00:03:20: Ich habe erst wieder ins Kinoprogramm geschaut und habe gesehen, nein jetzt läuft er schon nicht mehr.
00:03:25: Und dann also das war mein erste Gedanke aber es war ja eben kein kulturelles Erlebnis.
00:03:31: Aber ganz unverhofft.
00:03:32: vorletzte Woche hatten wir die Diplomfeier unserer Fakultät und da spielte ein junger Berner Klarinettist Frederik Schwengeler noch glaube ich in der Schule aber schon gefördert durch Stipendien Und der hat unter anderem eigene Kompositionen gespielt zu Kohlezeichnungen von einem Künstler.
00:03:56: Das war ein Rahmen, wo ich gar nicht große Kultur irgendwie erhofft hatte und dann stand da dieser junge Mann und hat Töne aus der Klarinette gebracht auch Thema Atem die ich so noch nie aus einer Klarinetta kommen hören.
00:04:10: das war ein tolles Erlebnis.
00:04:13: Ja, schön.
00:04:14: Vor allem wenn es so unverhofft kommt und dann einen dafür tröstet dass man gerade unver hofft ein Erlebnis gerade mal verpasst hat.
00:04:21: Man soll halt immer auch rechtzeitig ins Kino gehen sagen meine Freunde die Kinobetreiber sind und Kinofilme machen Aber toll!
00:04:29: Schön Ein schöner eigentlich uns schon natürlich gleich Wenn man nur denkt an all diese unterschiedlichen Klangkörper Die von dem Atem ganz besonders leben.
00:04:42: Wie sind Sie auf das Thema Atem gekommen?
00:04:44: Würde ich als erste Frage stellen.
00:04:45: Also einerseits haben meine netten Co-Redakteurin sie angefragt, aber sie haben sich wahrscheinlich angefragt weil das Thema bei Ihnen gut aufgehoben ist.
00:04:55: Haben Sie einen besonderen Zugang zu dem Thema Atmen?
00:05:01: Es gehört jetzt nicht gerade direkt irgendwie zu meinen Forschungsgebieten, aber man kann vielleicht schon sagen dass es mit Dingen zusammenhängt.
00:05:08: Mit denen ich mich in den letzten Jahren viel beschäftigt habe.
00:05:11: Ich hatte jetzt ein Forschungsprojekt zur Empathie im alten Testament.
00:05:17: Da können wir erst mal fragen was hat das denn mit dem Atem zu tun?
00:05:21: Aber es geht eben auch so um zwischen menschliche Zwischenleibliche Prozesse Auch viel um Körper und Wahrnehmung.
00:05:29: Vielleicht kam daher auch die Idee, mich zu fragen.
00:05:32: Da ging es jetzt gar nicht ganz speziell um den Atem aber ebenso um Phänomene des gegenseitigen Verstehens vor allem wo dann gerade in den altersdamerlichen Texten im alten Orient viel der Körper eine Rolle spielt.
00:05:46: Kommunikation Aber auch Wahrnehmung von Gestik, Mimic Ausdrucks verstehen Und ja, darum habe ich gerne Ja gesagt dann bei dieser Anfrage.
00:05:59: Gerade solche Themen die auch mal von außen an einen herangetragen werden machen mir immer viel Spaß weil erst einmal so die Denkmaschine anläuft.
00:06:10: wo hake ich da jetzt eigentlich ein?
00:06:12: in den Texten und Bildern mit denen ich mich sonst zu beschäftige?
00:06:16: Ist vielleicht auch im Zeichen unserer Zeit dass das Thema Körper oder Leiblichkeit in der Exegese eine große Rolle spielt?
00:06:25: in früheren, meinen früheren Studienzeiten war das kein Thema oder fing so langsam an.
00:06:32: Also da ist schon Unterschied zu einer theologischen Beschäftigung mit biblischen Texten die voran auf die Theologischen Inhalte guckt was ist der Gottesbegriff?
00:06:41: und so und das hat sicherlich auch mit uns heute zu tun aber schließt natürlich ganz vieles auf was in diesen uralten Texten drinsteckt dass der Glaube jetzt nicht einfach fromme Gehil Gehirnarbeit ist, sondern immer auch mit leiblichen Befindlichkeiten Prozessen zu tun hat.
00:07:00: Die dann zur Sprache werden mit anderen leibselischen Existenzen und anderen Mitmenschen geteilt werden.
00:07:08: Aber das ist ein Riesenfeld!
00:07:10: Und heute machen wir es mal ganz konkret am kleinen feinen schönen Atem.
00:07:15: Und Sie haben eben auch so einen schönen gut geschriebenen Text, das will ich nochmal sagen verfasst, den man einfach als Nicht-Experte Nun bin ich so ein bisschen ja vorgebildet, aber den kann man auch.
00:07:27: jeder Mann oder jede Frau kann das gut lesen und verstehen.
00:07:30: Und was mir Spaß gemacht hat dass sie in einem ersten Schritt sich so bestimmt einzelne Wörter angucken.
00:07:39: Und jetzt machen wir mal ein bisschen hebräisch Kurs nicht Duolingo.
00:07:43: Aber gucken uns mal drei Wörtern an.
00:07:46: Das erste heißt Sie müssen mich korrigieren wenn ich das falsch ausspreche Nishama
00:07:53: Ja.
00:07:54: Was ist das?
00:07:55: Nyshamah, ja also vielleicht noch voraus geschickt.
00:07:59: Das ist dann oft so mein erster Anlaufweg wenn ich irgendwie mit so einer Themenstellung konfrontiert werde was wären jetzt eigentlich Begriffe Wortfelder vielleicht auch die man damit aus hebräischer oder griechischer Perspektive in Verbindung bringen kann?
00:08:17: und dann kommt man eben auf solche Begriffs wie Nyshama von Luther mit Odem übersetzt, also zum Beispiel dieser ganz bekannte Psalmfers alles was Odem hat Lobbe den Herrn.
00:08:32: Also das wäre ganz konkret mal der Atem.
00:08:35: da habe ich mal angefangen.
00:08:36: Kurte Rückfrage, kurze Rückfeierweile.
00:08:40: nicht dass Menschen das nachschlagen und dann beim EDM landen.
00:08:46: In unserer heutigen Sprache nicht mehr gebräuchlich, ist Odem einfach nur das direkte ältere Equivalent zu Atem.
00:08:55: oder steckt in dem alt-deutschen Wort dieser Luteübersetzung Odem noch mehr.
00:09:00: Und dann deshalb in Nechamar auch noch mehr als jetzt nur ein und ausatmen.
00:09:06: Gute Frage!
00:09:07: Also in den... Forschungen zu diesem Begriff oder verschiedenen Begriffen, die so in diesen Komplex des Atmens gehören.
00:09:19: Kenne ich jetzt vor allem Versuche eine Chama noch mal von Ruach, also diesem ganz großen vielverwendeten Begriff der dann eben in deutschen Übersetzungen oft mit Geist wiedergegeben wird?
00:09:30: Also da versucht man immer so zu überlegen was ist eigentlich der Unterschied?
00:09:35: und da gibt es zum Beispiel die Theorie das Odem eher zu sagen so das normale Atmen ist und ruhig ist eben das expressivere, dass auch Windbrausen zum Beispiel oder das erregte Atmen oder so.
00:09:49: Man kann aber glaube ich einfach festhalten es gibt verschiedene Begriffe und odem und atm Das weiß ich ehrlich gesagt selber nicht.
00:09:58: da müsste man vielleicht noch mal irgendwie eingehen.
00:10:03: Ich stolpe da auch nur darüber.
00:10:04: Ja, aber vielleicht... Also
00:10:06: so ist es oft bekannt.
00:10:07: Man könnte eben auch, man könnte denke ich einfach atmen oder auch Hauch oder so übersetzen je nachdem.
00:10:15: Da gibt's ja auch ein paar Stellen wo das vielleicht eher in die Richtung geht sondern leichtere Hauch im Vergleich zu einem irgendwie stärkeren Wind oder Sturm oder so.
00:10:26: Auf die Ruhe kommen wir gleich nochmal?
00:10:28: Bleiben wir noch mal bei der Nechamar.
00:10:33: Wo kommt die in der Bibel ganz besonders vor?
00:10:35: Welche Geschichte verbinden Sie besonders mit dieser Vorstellung von Atem.
00:10:43: Also, ganz viel eben gerade in solchen hymnischen Texten und das ist vielleicht auch nochmal eine Besonderheit bei dem Begriff wo es nicht nur um den Atem des Menschen geht sondern um den atem eigentlich aller Geschöpfe Also gerade in diesen Psalmen, die dann die sozusagen so auch auf die ganze Schöpfung schauen mit allen kleinsten Unterteilungen von irgendwelchen Tieren und so, in denen sich der Mensch befindet.
00:11:18: Und dann so zum Lob aufrufen.
00:11:21: Auch musikalische Kontexte dadurch, die vielleicht auch auf Gesang anspielen.
00:11:29: da ist das vor allem zu Hause dieses Nechamar.
00:11:33: Ja, das ist interessant.
00:11:34: Alles was Atem hatte lobe den Herrn und das ist tatsächlich so eine fast schon kosmische Größe die sich löst von dem einzelnen Menschen sondern jedes Tier jede Zelle jedes Lebewesen lobt gemeinsam und daraus entsteht so etwas wie einer ja die ganze Welt umfassende Musik.
00:11:55: Das hat weit weit gewirkt bis zu Luther.
00:11:58: Da fallen wir alle leite Dinge ein aber es ist hier grundgelegt.
00:12:03: Und dann gibt es ja aber auch noch diese Schöpfungsgeschichte, wo dieser Atem so eine große Rolle spielt.
00:12:10: Gleich zu Beginn der Erschaffung des Menschen.
00:12:12: Bügen Sie das kurz schildern?
00:12:15: Ja also wir haben ja diese beiden Schöpfungstexte in der Genesis ganz am Anfang einmal Genesis I und dann Genesis II die sozusagen so verschiedene Herangehensweisen.
00:12:27: an diesen Schö Pfungsakt und da haben wir eben in Genesis zwei kommt auch die Nushama vor, die Gott dem Menschen in die Nase eigentlich ein Haucht einbläst.
00:12:44: Und diese Nushamah macht dann den Menschen zu einer Nefeshchaya schwierig zu übersetzen, einer lebenden Seele übersetzender manche eigentlich wenn wir näher an diesen Körperbildern dranbleiben eher irgendwie eine lebendige Kehle, ein lebendiges mit allem was es braucht ausgestattetes Wesen könnte man vielleicht sagen.
00:13:10: Genau ich habe mir das immer so vorgestellt wie beim Notfallsanitäter.
00:13:15: Gott schafft den Menschen und das ist aber erst mal wirklich nur einen klumpen Leben zwar gefraumt, aber erstmal kein Eigenleben.
00:13:26: Gibt er ihm seinen und vielleicht ist A Odem einfach noch ein bisschen schöner und bedeutungsvoller und wichtiger als Atem, bläst seinen Lebenshauch.
00:13:37: Den Menschen zwar nicht wie der Sanitäter dann durch den Mund sondern in die Nase.
00:13:43: Ist auch interessant.
00:13:44: warum eigentlich nicht in den Mund?
00:13:45: Warum in die nase?
00:13:46: aber keine Ahnung.
00:13:48: Und dann kommt eben das dritte Wort.
00:13:50: wir belassen es heute bei drei hebräischen Wörtern diese Nefesh Und das hatte ich auch immer so gelernt, dass ist die Kehle.
00:14:02: Es ist eben nicht so leicht biblische Texte zu übersetzen oder wenn man nur die Übersetzung hat fehlt halt auch viel weil diese Entscheidungen sind.
00:14:11: und natürlich das normale heißt Seele.
00:14:12: dadurch kriegt der Mensch.
00:14:13: durch diesen Atem wird ein lebendiges Wesen mit einem eigenen Willen mit der eigenen Möglichkeit auch auf Gott zu antworten dann in seinem eigenen geformten Atem im Lobgesang.
00:14:24: und so Kehle finde ich aber auch toll.
00:14:27: Also, wie da mal deutsche Alltagssprache ist, schnürt mir die Kehli zu und zeigt ja dass das... Sonst denkt man immer, das Herz ist irgendwie das Zentralorgan.
00:14:38: Aber die Kehl kann auch verstanden werden als Zentral-Organ des Menschen, wo seine Lebendigkeit ist.
00:14:45: Genau!
00:14:46: Und viele Texte erklären sich dann dadurch eigentlich erst so richtig.
00:14:50: also auch nochmal vielleicht Psalm und Sprache.
00:14:53: meine Kehle lächzt nach Gott, wie nach dem Wasser oder so.
00:14:58: Natürlich verstehen wir da im Deutschen auch meine Seele lecht nach Gott also mein inneres das was mich ausmacht oder so.
00:15:06: aber die Kähle gibt eben nochmal so vielleicht auch diesen diesen existenziellen Aspekt dazu, also wir haben jetzt gerade schon gesagt das schnürt mir die Kehle zu.
00:15:15: Das Wasser geht mir bis an die Kähle aber durch die Kehl kommen eben auch die Lobgesänge und die Klagen, womit man sich an Gott wendet war auch die Sprache mit der man sich am Mitmenschen wendete da gehen essen trinken und alles was es zum Überleben braucht durch.
00:15:35: Also insofern irgendwie so eine zentrale Passierstelle, obwohl das Herz natürlich trotzdem auch irgendwie das hebräische Zentralorgan des Menschen ist.
00:15:44: Aber die Kehle hat so ne besondere Ein- und Ausgangsfunktionen.
00:15:48: vielleicht können wir das so sagen?
00:15:49: Ja ja, fällt einem natürlich wieder auf wie weit wir zurückgehen müssen und was wir alles vergessen müssen.
00:15:55: um an biblische Text zu gehen unser deutsches Verständnis so allgemein von Seele ist glaube ich ganz stark geprägt vom griechischer Philosophie von deutschem Idealismus, dass es irgendwie das reine innere Wesen des Menschen unterschieden vom Körper.
00:16:13: Es gibt ja viele Vorstellungen auch im Christentum oder auch in der griechischen Philosophie, dass die Seele im Körper gefangen ist und eigentlich da gar nicht richtig hingehört weil sie ein göttlicher Funken im Menschen ist.
00:16:26: Das ist total unbiblisch gedacht untestermenschlich sondern da ist die Kehle tatsächlich Die Kehle.
00:16:34: Seele, lobe den Herrn meine Kähle.
00:16:40: Als leibliches Ding als Organ die Seele und dann hat der Mensch als Seele nicht einen Körper sondern er ist als Seelekörper.
00:16:50: das ist eins gedacht eine kleine Assoziation.
00:16:54: das ist vielleicht Quatsch aber nur weil es mir gerade kam Ich glaube, einige afrikanische Sprachen, die sehr viel stärker mit der Kehle arbeiten als jetzt unser Deutsch.
00:17:07: Also diese Klinglaute, die es in einigen afriikanischen Sprachen gibt... Gibt's so was ähnliches im Vergleich aus dem Hebräischen oder altorientalisch, dass man noch mal stärker auch die Kehles laut werden lässt?
00:17:19: Wir versuchen das ja eher zu vermeiden.
00:17:21: Jemand, der kehlig spricht, ist eigentlich ein Fallenschölogophen.
00:17:27: Also es ist jetzt natürlich sehr nah hier im Berner Sprachraum, wo auch sehr kehlig gesprochen wird zum Teil.
00:17:35: Aber es stimmt natürlich schon.
00:17:37: also es gibt diese semitischen Kehlaute.
00:17:41: alle die sich an Hebräischkurse zurück erinnern haben oft genau damit Probleme.
00:17:46: das kräht und das eilen was wahrscheinlich irgendwie so ein fast schon so eine Art Würge laut gewesen ist, den wir so gar nicht imitieren können und auch ja gar nicht mehr ganz genau wissen wie sich das in der Antike wirklich angehört hat.
00:17:59: Auch da gab es wahrscheinlich schon Unterschiede in der Aussprache.
00:18:03: aber die Kehle ist etwas was ganz zentral ist für die Artikulation also eben Sprache als sozusagen Medium dass da ein-und ausgeht.
00:18:16: In dem Zusammenhang
00:18:19: Jetzt haben wir Nefesh und Nishama, also durch das einhauchende Nishamah wird der Mensch zu einer lebendigen Kehle.
00:18:30: Eine kleine persönliche Reminiscence weshalb mit dieser Geschichte so lieb und wehr, dass?
00:18:34: ich habe als Kind und dann noch als Jugendlicher ungefähr bis ich dreizehn war zum Teil stark gestottert mal mehr, mal weniger aber es war immer so ein generelles Thema und es hat dann viel Atemtherapie Ja, genau.
00:18:52: Also Logo-PD, auch Loginestraining gebraucht bis ich verstanden habe oder bis ich das für mich umsetzen konnte – das kann man als Kind nicht so toll -, dass der Atem schon kommt und man eigentlich gar nichts machen muss.
00:19:10: Für Brauch ist ein bisschen Technik, paar Übungen vor allen Dingen viel Bewusstheit und dann sowas wie Vertrauen.
00:19:16: Und als ich das dann irgendwann, bis bei mir Klick gemacht hatte und ich das habe jetzt auch nicht mehr stottere, weil es einfach eben an dieser Atemblockade
00:19:26: lag,
00:19:29: ist mir diese Geschichte, als ich sie dann Lars Zeit verzögert irgendwie deutlich geworden.
00:19:35: Da liegt ja noch neben diesem ganzen Theologischen und Leibgeschichtlichen ja auch nochmal so eine Glaubenseinstellung der Atem kommt schon.
00:19:44: also du Du machst dich nicht selber, das ist vielleicht auch eine Botschaft der biblischen Schöpfungsgeschichten oder besonders dieser.
00:19:53: Du machst sich nicht selbst zu einem lebendigen Wesen.
00:19:56: in deiner Materialität bist du da aber du kannst sein indem du einfach den Atem aufnimmst und umsetzt und dann wieder von dir gibts und dann in diesen Rhythmus hineinkommst wenn du dir den Atm schenken lässt.
00:20:09: so jetzt bisschen erbaulich ausgelegt.
00:20:12: ich weiß ja ob sie damit was anfangen können
00:20:14: absolut.
00:20:15: Also wenn man da wirklich so auch irgendwie das Detailliert liest und demso nachdenkt, dann ist es ja so.
00:20:21: also der erste Atemzug sozusagen dieses Menschenwesens ist das Ausatmen Gottes eigentlich?
00:20:29: Und dann das Erste-Ausatmen des Menschen, da könnte man dann nochmal weitergehen im Text.
00:20:37: Danach diese Suche nach einer Gefährtin für dieses Menschenwesen, wo dann erst mal die Tiere benannt werden und so.
00:20:47: Das bahnt sich den Weg zur Gemeinschaft von Menschen mit Gott.
00:20:53: Also da sind wirklich viele, also hat mir irgendwie auch dieses Nachdenken über das Atmen und den Atem immer so viele Details eigentlich.
00:21:01: Auch in diesen fundamentalen ersten Erzählungen des Karnons drin.
00:21:08: Gerade wenn wir
00:21:09: kommen nochmal auf die erste Schöpfungssicht über diese zweiten Schöpfungsgeschichte, denkt man natürlich erst mal, dass sich das hat jetzt nicht so ein Bauer raus an eine bäuerlichen Perspektive erzählt.
00:21:19: Der macht sich keine großen Gedanken über den Weltraum und den Kosmos und die Sterne.
00:21:23: Es spielt gar keine Rolle, sondern es geht darum, dass er als Erstes erstmal schön regnet weil dort ist halt nichts.
00:21:30: Genau, sonst kommt gar nichts mehr.
00:21:33: Auch vor dem Atmen kommt der Regen So, und dann wird man geformt als Mensch auch leben.
00:21:39: Und dann kommt der Atem- und dann geht es schäden weitere Schritte.
00:21:42: Dann haben die viel damit zu tun dass dieser erste Mensch denn nach damaliger Vorstellung halt ein Mann ist das er reden lernt und sagt irgendwie Tag mir fehlt hier was.
00:21:55: und dann kommen erstmal die Tiere da gibt ihr ihnen einen Namen und dann findet er seine Entsprechung und damit auch sein Lebensglück in der Liebe zu der Frau, die ihm geschaffen wird?
00:22:07: Ja und das ist ja auch nochmal so ein Abhängigkeitsaspekt in dieser Geschichte.
00:22:12: Also der Adam wird genommen von der Adama also vom Erdboden.
00:22:17: Das heißt es ist eigentlich erstmal so einen Erdling und zum Adam im Sinne von dem ersten Mann würde dann eigentlich erst als die Frau aus seiner Seite genommen werden.
00:22:31: Wenn die Zweihheit eigentlich entsteht, wird aus diesem Erdlingen dieses bestimmte Wesen im Gegenüber zu der Frau.
00:22:42: Das ist vielleicht auch mal ein spannender Turn, also wann wird aus dem Mensch als Erdling dann eigentlich der Herr Ader ums sozusagen?
00:22:53: Es gibt ja so eine lange Tradition feministischer Kritik an dieser Geschichte die da ist erstmal der Mann und aus einem etwas minderwetigen Organ der Rippe, die ist ja nun nicht so interessant für sich im Unterschied zur Kehle.
00:23:07: Die Frau aber wenn sie es so lesen würde man sagen als am Anfang ist das Mensch?
00:23:12: Ja,
00:23:13: also Erdling
00:23:15: hört sich ja auch ganz komisch an.
00:23:16: Das ist eben immer so dieses schöne Spiel mit der Erde und diesem... Und das gibt übrigens auch in den ägyptischen Schöpfungsvorstellungen zum Beispiel, dass eben erst das Königskind geformt wird und dann wird der Atem eingehaucht.
00:23:34: Da bezieht es allerdings nur auf dem König bzw.
00:23:37: auf den Fahrer-Ur alle Menschen die Menschheit, wie das Genesys II darstellt.
00:23:45: Ich hatte mal – aber das ist schon lange her – die These gelernt im Studium, dass im Alten Testament so etwas wie eine Demokratisierung solcher Königsvorstellungen vorliegt und da hatte ich früher immer den Verdachten, na das ist vielleicht ein bisschen zu liberal modern gedacht.
00:24:05: So schön es klingt!
00:24:07: Ist da was davon dran?
00:24:09: Ja, das ist eine gute Frage.
00:24:10: Also man könnte das ja in zwei Richtungen denken.
00:24:13: diese Demokratisierung.
00:24:15: also wenn wir jetzt überlegt die sehr ägyptischen Vorstellungen sind zum Teil viel älter da geht es eben nur um den König und den Pfarrerou Und dann finden wird diese vielleicht irgendwie siebten sechsten Jahrhundert entstandenen Texte wie Genesis II dann wäre sozusagen diese Diakrone Bewegung, könnte man mit einer Demokratisierung beschreiben.
00:24:38: Man könnte aber auch überlegen ist es vielleicht eher in den sagen auch damaligen Gesellschaftsformen eine Royalisierung des Menschen?
00:24:46: Das einzelnen Menschen?
00:24:49: und wenn man dann noch überlegt dass die Texte vielleicht aus der Zeit kommen wo diese Gemeinschaft gar keinen König hatte sondern sich überlegt hat was verbindet uns eigentlich König-Tempel statt hinaus.
00:25:05: Dann ergibt es Sinn, dass da so ein Nachdenken drüber ist.
00:25:09: was steckt quasi in uns allen Menschen?
00:25:13: Wie sind wir als menschliche Gemeinschaft auch dann natürlich auf das vielleicht die Volksgemeinschaft erstmal bezogen?
00:25:20: wie sind wir gebunden an das was uns umgibt und den Boden den wir bestellen Und so weiter.
00:25:27: Also das kommt auch ein bisschen natürlich auf Datierung der Texte und so an, aber ich würde Ihnen schon recht geben dass Demokratisierung vielleicht einen Schrittchen zu weit geht in den Vorstellungswelten.
00:25:42: Aber Royalisierung wie wir es auch in anderen Texten also Psalm acht zum Beispiel finden Das ist vielleicht auch noch meine interessante Denkspore.
00:25:52: Auf jeden Fall bezieht sich eben nicht nur auf dem König.
00:25:55: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?
00:25:56: Du stellst ihn so hoch über die ganze Welt wie ein König.
00:26:00: Jeder Mensch ist wie ein König!
00:26:05: Bevor wir... Da haben wir eigentlich schon das schöne Sprungbett zum nächsten Punkt gefunden nämlich ich wollte gerne über die Bibel hinaus gucken zum alten Orient aber ich würde gerne nochmal das biblische abschießen noch einmal auf die Ruhr kommen weil sie drüben durch ist.
00:26:19: Die mir aber sehr interessant erscheint im ersten Schöpfungsbericht, das ist der sogenannte Sieben-Tagesbericht.
00:26:26: Da gibt es ja diese Ruach dieser Hauch, dieser Atem, dieser Sturmkraft oder diese göttliche Luftbewegung.
00:26:38: die schwebt am Anfang vor der Schöpfung über den Urmeeren wild herum.
00:26:46: so stelle ich mir das vor.
00:26:48: Aber dann wird ja angefangen, fängt Gott ja an durch seinen Wort zu die Schöpfung einzurichten indem er die Unterscheidungen trifft.
00:26:57: Die Tage und so weiter.
00:27:00: Wo bleibt denn die Anfangsruhrach?
00:27:02: Wird sie dann zu dem... Also diese Anfass-Urach
00:27:07: Gottes,
00:27:09: die am Anfang über diesen Urwassern boh süßt und leer ist schwebt, wird die das göttliche Wort dass dann Das Feste vom Flüssigen, das Dunkel vom Hellen trennt und dann Mensch und Tiere und Pflanzen schafft?
00:27:25: Also explizit macht der Text diese Bewegung nicht.
00:27:30: Also genau so wie sie es jetzt dargestellt haben also die Ruach dieser Sturmhauch, der da flattert eigentlich fast wie ein Vogelbild über dem Urmeer oder den Urwasser Wäre jetzt interessant, wenn man das so ganz kanone schließt.
00:27:50: Wo kommt sie dann das nächste mal wieder vor?
00:27:53: Aber wenn es sozusagen in einem weiteren Kontext der biblischen Erzählungen anschaut, ist die eben nicht nur verbunden mit dem Wort Gottes.
00:28:03: Also sie ist auch mit göttlichem Sprechen und der Kraft, die sozusagen da drin steckt verbunden aber sie ist eben auch was den Menschen zugehört, was sich zwischen Menschen abspielt was allgemein Dinge in Bewegung bringt.
00:28:20: Das ist ja wahrscheinlich auch die Funktion in Genesis eins, also das ist quasi so diese erste göttliche Bewegungen aus der dann quasi dieses oder Indigeneien dann dieses Sprechen kommt.
00:28:36: Also ich glaube diese Verengung würde jetzt in dem Text nicht drin liegen dass quasi aus der Ruhr des göttlichen sprechen wird.
00:28:44: aber es bleibt damit in Beziehung wenn man das jetzt so Also sagen, Synchronen überlegen wo die Ruhr dann eigentlich überall hingeht.
00:28:54: Okay ein kurzer Abstecher noch im neuen Testament auch wenn das jetzt gar nicht ihr Fachgebiet ist aber dass es jetzt nicht schwer oder einen Fallstrick sondern gibt ja Neun Testament fällt mir sofort ein Wort auf, dass wir meistens mit Geist übersetzen oder mit Heiligengeist.
00:29:15: Das ist aber wahrscheinlich ganz viel auch von Nishama und Hoach.
00:29:20: in sich hat das das griechische Wort Pneuma also die Ausgießung des heiligen Geistes wird ja auch wie eine Art Windkraft.
00:29:29: Wie ein kräftiger Wind beschrieben.
00:29:31: Ist da so ne Fortschreibung würden Sie das zu sagen?
00:29:34: Oder fängt da was ganz Neues an?
00:29:38: Also das beginnt ja eigentlich schon sozusagen vor Neutestamentlich, wenn die jüdischen Gelehrten, die alttestamentlichen oder na, an der Grunde ist es jetzt aber die hebräische Texte.
00:29:55: Die hebrärische Bibel ins griechische übersetzen.
00:29:58: Da haben wir schon ganz oft den Fall dass eben Ruach mit Pneuma wiedergegeben wird in den allermeisten Fällen, ich kann es jetzt nicht ganz genau sagen.
00:30:06: Und da beginnt quasi aber natürlich dann auch schon diese Begegnung von jüdischen Texten, Ideen, Denkvoraussetzungen mit der griechischen Kultur und den Texten die da im Hintergrund stehen von Träumer oder auch dann im Fall von Nefesh Kehle über die wir gesprochen haben psychiell sehr auch schon angedeutet mit den verschiedenen dann auch zum Teil dualistischen Vorstellungen und so.
00:30:32: Also da beginnt eigentlich schon diese Geschichte, dieses Kulturkontakt die sich durch das neue Testament fortsetzt und weiter natürlich in die Kirchengeschichte bis zu denen ja auch Konzilsentscheidungen, Sortinität und zum Heiligen Geist.
00:30:47: Aber da ist also ich glaube Sie haben vorhin gesagt man muss dann oft viele Schichten abtragen sozusagen um zurückzukommen zu den Wurzeln und das ist sicher auch im Fall des Geistes Gottes, des heiligen Geistes dann der Fall dass man quasi von diesen Ruachtexten in der Hebräischen Bibel über diese ganz verschiedenen Stationen und ganz verschiedene Vorstellungswelten Gefilde kommt.
00:31:15: Genau, aber ich finde es eben auch nochmal wichtig gerade solche Begriffe wie Geist, heiliger Geist immer auch noch mal auf diese Körperlichkeit.
00:31:21: Diese zarte Körperlichkeit, diese flüchtige windhafte Körperlichkeit zu beziehen weil man sonst immer ganz stark im Deutschen dann bei Geist und Seele ist und dann ist die ganze Lattlichkeit weg.
00:31:36: Das habe ich jetzt auch noch mal gelernt bei dieser ganzen Arbeit zu Empathie, wo es ja auch viel drum geht.
00:31:41: Also wie spielt da Emotion und Denken zusammen?
00:31:45: Auch in neueren Forschungen dazu dass eben nicht die ganze griechische Antike von so dualistischen Vorstellungen geprägt ist sondern das ist natürlich je nach Texten zum Teil auch Textgattungen.
00:31:56: also bei Homer gibt's ganz verschiedene Arten der Seele und was er damit verbindet durchaus körperliches in diesem psychär Begriff.
00:32:05: Und auch bei Pneuma eben diese Verbindung mit dem Atem und dem Körper, also da tut sich glaube ich auch so ein bisschen was in dieser ganzen Erforschung dieser Kulturkontakte zwischen Griechenland und der Levante oder Israel-Palestina wie man das sagen will.
00:32:24: Aber dann gehen wir doch nochmal zurück zum alten Orient, weil Sie das schon erwähnt haben und das ist einfach so faszinierend.
00:32:32: Weil davon viel zu wenig bekannt ist.
00:32:36: Das antike Israel, das biblische Israel war eben keine Insel, kein abgeschlossenes, lebte nicht in einem abgeschlossenen Bibelbuch sondern war Teil des alten Orients.
00:32:47: In früheren theologischen Zeiten hat man viel stärker auch Zutaten die Abgrenzung gebrochen, denn mal geguckt was ist jetzt das spezifisch israelitische Unterschied zu dem alterientalischen.
00:32:57: Ich habe den Ahnung heute sieht man mehr die Zusammenhänge ohne jetzt alles sozusagen gleichförmig zusehen.
00:33:04: unterschiedlich gibt es natürlich aber Man sieht mehr dass Israel Teil von etwas größerem war.
00:33:10: Das hat sicherlich auch mit archäologischen Funden zu tun neuen Texten aber auch neuen Bildern.
00:33:16: Ich
00:33:17: habe gesehen, Sie sind eine Schülerin von Sylvia Schröhr.
00:33:21: Wenn ich das richtig war... Ja, ganz genau!
00:33:22: Das ist eine Forscherin, eine Alt-Tester-Mitlerin, deren Arbeiten ich jetzt auch seit schwarzig Jahren oder länger schon verfolge?
00:33:31: Nee, so alt bin ich ja noch nicht.
00:33:33: Schwarzig Jahre ungefähr.
00:33:34: Schon neißig.
00:33:36: Weil die ganz früh angefangen hat und nicht sie alleine aber ganz wesentlich sie auch eben diese Bildwelten im alten Ohren anzuschauen und von denen diese Texte nochmal anzugucken.
00:33:46: Und als ich ihre Biografie in der Vorbereitung lade, ach so da kommt die her.
00:33:51: das jetzt wird mir einiges klar was ja schön ist.
00:33:57: aber vielleicht noch mal was gibt es da?
00:34:00: Was wir neu lernen können an Bezügen zwischen dem Isra, dem Atem im alten Israel und in der Umwelt?
00:34:09: Ja Also das ist sicher auch noch mein ganz wichtiger Hinweis dieser diese Multiperspektivität eigentlich auf solche Themen von Bildern und Texten, vom Text aus verschiedenen Kulturen.
00:34:22: Auch aus ganz verschiedenen Zeiten.
00:34:24: also da liegen ja zum Teil zwischen irgendwelchen mesopotamischen Texten wo wir fast bis ins Wortsch hinein Entsprechungen finden zb zu Nefe Schkele liegen ja zum Teil hunderte von Jahren, manchmal tausende von Jahren.
00:34:40: Und doch gibt es da eben ganz deutliche Parallelen- Ähnlichkeiten bis auf die Wortebene.
00:34:49: jetzt beim Thema Atem sicher dieses existenzielle also die Verbindung von Atem mit Leben und Tod des Menschen.
00:35:00: Also wo man auch sagen kann, da liegen tatsächlich wirklich existenziell Universal ist vielleicht zu weit gegriffen, weil die Differenzierung geht dann natürlich gleich los.
00:35:11: Aber da liegen existenzielle Erfahrungen von Menschen dahinter, die auch in verschiedenen Kulturen zu verschiedenen Zeiten gemacht und versprachlicht oder verbildlicht wurden.
00:35:24: Und dann aber natürlich auch werden es vorhin schon mit dieser Royalisierung oder Demokratisierung also durchaus auch Unterschiede zum Beispiel in solchen Schöpfungstexten.
00:35:36: oder wenn man nochmal an diese Frage nach dem Wind und der Luft als so ein göttliches Phänomen denkt, macht natürlich für die biblischen Texte viel aus.
00:35:48: Dass wir da diese Bewegung hin zum einen Gott Israels haben also diese Entwicklung des Monotheismus dass wir eben nicht mehr den wind irgendwie als eigenständigen gott haben.
00:35:59: Also nen Windgott oder Windgötter wie in vielen Kulturen um Israel herum, sondern dass eben diese Ruach dieser göttliche Wind Hauch Atem Geist sagen von diesem einen Gott kommt und wirkt.
00:36:19: Was ich jetzt nochmal spannend fand als ich mich da ein bisschen rein reingekraben habe Also die Luft ist eigentlich oft in sowohl egyptischen als auch mesopotamischen Schöpfungsmythen, ist die was Trennendes zwischen Himmel und Erde.
00:36:37: Die Luft wird quasi so eine trennende Ebene eingezogen.
00:36:41: Und diese Trennungshvorstellungen als Schöpfungsvorstellung kennen wir durchaus aus biblischen Texten also aus Genesis I zum Beispiel.
00:36:50: Aber bei einem Text wie z.B.
00:36:52: Psalm hundred four, da ist bei der Ruach in den alttestamentlichen Texten eigentlich viel stärker das Verbindende also die Ruach quasi als göttliche Kraft Geschöpfe untereinander verbindet, aber eben auch Gott und Geschöpfel verbindet.
00:37:10: Das fand ich noch mal spannend darüber nachzudenken also inwiefern... Also was wird dann auch diesen Phänomenen die man jetzt ja zum Beispiel auch bildlich ganz schwer darstellen kann?
00:37:19: Wie wird so etwas wie Atem oder so dargestellt?
00:37:22: da kann ich vielleicht gleich noch ein Beispiel machen.
00:37:24: Aber was wird diesen Kräften eigentlich denn in den Texten zugeschrieben?
00:37:28: Und da kann man denke ich davon ausgehen dass da eben sehr viel Austausch war, voneinander lernen zwischen den Kulturen und dann haben sich da auch eigene Wege gefunden in einer bestimmten Abgrenzung oder neue Akzentuierung.
00:37:44: Und manches was dann auch sich fast automatisch sozusagen aus bestimmten theologischen Modellen oder Überzeugungen dann ergeben hat.
00:37:54: Ja also über den Atem kann man sprechen Man kann ihn in Sprache überführen, in Literatur und Begriffe.
00:38:01: Man kann ihm auch hörbar machen indem man singt oder Musikinstrumente spielt, Blasinstrumente spielt.
00:38:10: Mich interessiert aber auch noch mal was wie hat man ihn denn bildlich dargestellt?
00:38:19: Also was man da zum Beispiel finden kann, sind eben diese ägyptischen sehr prominenten Darstellungen.
00:38:25: Die finden sich über Jahrtausende hinweg wie eine Gottheit dem König in diesen sozusagen Schöpfungs-Entstehungsprozesses des Königs so ein Anzeichen also dieses egyptische Zeichen für Leben entgegenhält und auf manchen Darstellung eben wirklich an die Nase hält.
00:38:47: Also das ist quasi die Belebung dieses Königs, dieses Pharaos.
00:38:52: Ganz ähnlich wie in Genesis zwei.
00:38:54: also da wird auf der Töpferscheibe von einem Gott geformt und dann kriegt er dieses Lebenszeichen an die Nase gehalten.
00:39:03: Da ist jetzt kein Atemhauch oder so dargestellt.
00:39:06: aber wieder über diese Körpertile im Grunde und über dieses Symbol dass für Leben steht kommt man dann doch irgendwie auf diese Atemphänomene.
00:39:20: Interessant!
00:39:21: Jetzt würde ich gerne einen großen Schritt in die Gegenwart machen, denn viele Menschen haben ein riesiges Interesse an Atem, bewusstem Atem und Neulernen – wie gesagt, ich kann das gut nachvollziehen.
00:39:34: Die verbinden das aber die meisten nicht mit biblischen oder altorientalischen Traditionen, sondern Ja, fernöstlichen Traditionen.
00:39:43: Buddhismus mit Yoga wo es ja auch richtig gehende Atemrituale, Atemmititation gibt, wo jetzt nicht nur über den Atem gesprochen wird sondern der Atem eigentlich der Hauptgegenstand in Anführungszeichen eines einer Meditations und eines Rituals ist.
00:40:03: hat das sowas in der biblischen eidoorientarischen Welt auch gegeben?
00:40:06: oder wissen wir das einfach nicht?
00:40:11: Also Am nächsten an sowas rankommt man vielleicht wirklich eben mit gewissen Hymnen gebeten.
00:40:20: wo dann zum Beispiel dargestellt wird, wie eben Menschen ihre leidvolle Lebenssituationen eben regelrecht das Wasser an die Kehle treibt.
00:40:30: Die Kähle zuschnürt der Atem nicht mehr frei fließen kann und dann könnte man sich vielleicht vorstellen, dass eben über das Sich rein beten, vielleicht auch gemeinschaftlich in solche Klagen oder Lobglieder das da sozusagen irgendwie solche körperlichen Dynamiken angesprochen werden.
00:40:50: Aber jetzt sicher nicht in dem Sinne... Also es sind ja doch auch, es sind keine spontanen wie spontaner Äußerungen diese Gebetstexte sondern es sind literarische Texte die in kollektiven Zusammenhängen gesprochen gebetet gesungen wurden auch möglicherweise individuellen aber es ist nicht sozusagen spontane Umgang mit, zum Beispiel leidvollen Erfahrungen.
00:41:19: Sondern es sind literarische Texte die aber ja dann durchaus solche Dynamiken von irgendwie mir stockte Atem.
00:41:27: Aber dann komme ich wieder zu Atem indem Ich mich erinnert daran dass sich schon öfter sozusagen aus solchen Situationen gerettet wurde zum Beispiel oder so, das sind ja ganz klassische Gebetstynamiken.
00:41:40: Zum Beispiel in den Psalmen.
00:41:42: also an sowas könnte man da könnte man vielleicht denken und auch vielleicht an so eine ja eben auch Gemeinschaftserfahrungen.
00:41:49: Also vieles von dem was wir da lesen ist erst mal nicht individuell spirituell zumindest nicht nur sondern ganz stark Gemeinschaftskontexte eingebettet und hat auch sehr viel oft mit sozialer Realität zu tun.
00:42:09: Hat irgendwo eine politische Dimension, also die von den Mächtigen unterdrückten denen fehlt eben der Atem und so.
00:42:18: Also in solchen Bereichen kann man da glaube ich kommen mit diesen Texten?
00:42:24: Das wäre vielleicht nur ein Unterschied vielleicht vielen Phänomen, die wir im westlichen Buddhismus finden nicht im Westlichen.
00:42:35: Können Sie denn mit solchen buddhistischen oder westlich-buddhistischem Yogavorstellungen was anfangen?
00:42:41: Oder würden sie sagen und oder gibt es eine Verbindung?
00:42:43: oder werden sie sagen das haben wir dann noch mal in einer anderen Kulturwelt einerseits veranöstlich und natürlich jetzt bei uns ganz hochmodern.
00:42:51: also wir haben ja vorhin über so existenzielle Erfahrungen gesprochen.
00:42:57: Also da kann ich in dem Sinne schon was damit anfangen, dass es ja also wenn man das selber mal versucht hat sich in einer irgendwie aufgeregten Situation durch ganz bewusstes ein- und ausatmen wieder irgendwie zu grundieren dann merkt man ja, dass ist funktioniert.
00:43:17: Also auch zum Beispiel, da denke ich jetzt gerade ganz spontan dran dieses Herzensgebet kurzer Gebetsvers mit dem Einatmen und dem Ausatmen verbunden wird.
00:43:30: Also da liegt ja wirklich eine Art von menschlicher Erfahrung dahinter, es macht was mit mir dieses Atmen die allermeiste Zeit ganz unbewusst aber dann doch eben auch bewusst.
00:43:42: Und dann können rituelle Kontexte wie sie dann auch immer genau aussehen und wie die genau ausgestaltet sind Können dann sozusagen in Verbindung treten mit diesem individuellen atmen Also auch das ganz verschiedene Traditionen zum Beispiel mit Geruchatmen.
00:44:00: Das ist jetzt uns protestantisch nicht mehr so ganz nahe, aber wenn man an Pairauch denkt in den katholischen und orthodoxen Kirchen und dann an verschiedene Weisen irgendwie die sinnliche Wahrnehmung anzusprechen spirituellen, religiösen Tradition.
00:44:24: Das hat ja auch irgendwie etwas damit zu tun dass man merkt so wird der Mensch involviert sozusagen über verschiedene Sinne und vielleicht also der Wunsch ist doch oft diesem Alltag und der Atemlosigkeit des Alltags irgendwie was entgegenzusetzen.
00:44:45: das ist vielleicht auch was parallelen Bilde zwischen jetzt ganz verschiedenen Traditionen.
00:44:51: Aber was mir dann manchmal so ein bisschen aufstößt, ist halt auch natürlich die Monetarisierung von all dem.
00:45:01: Genau durch... Weil es dann Teil eines Atemmarktes ist?
00:45:06: Genau!
00:45:06: Das andere ist es so wie ich das erlebt habe wo es richtig eine therapeutische Bedeutung hat und dann auch vor der Kassel alle bezahlt worden ist mit anderen.
00:45:15: Und das andere ist natürlich wenn es nur bei sich selber bleibt Und eben dieses kosmische Verlohen geht die ganze Schöpfung in den Blick nehmen.
00:45:31: Oder dieses ja eben auch so soziale Not, ein Volksschreit auf einen Volk ringt um Atem einem ganzen Volkschmüt ist die Kehle zu jetzt mal übertragen gesprochen.
00:45:46: das sind natürlich Dimensionen die auch sehr wichtig sind.
00:45:49: zugleich aber auch jetzt ohne in um nicht im esoterik bashing zu enden so diese vorstellungen.
00:45:56: meine körperliche glaubungsgrundvorstellung das wird dir geschenkt, dass kommt auf dich zu macht dich ruhig entspanne dich nimm das bewusst wahr.
00:46:09: und dann was ich zum beispiel auch sehr schön finde in engelsprachigen kirchen kann ich das vor allen Dingen dass man zum singern aufsteht.
00:46:16: Dann sitzt man da nicht so gekrümmt schlecht gebauten Kirchen, man steht auf.
00:46:20: Es gibt es bei
00:46:21: den Reformierten tatsächlich auch.
00:46:24: Man errichtet sich auf und schon geht der Atem tiefer in den Körper hinein, in den Bauch.
00:46:30: da soll er nämlich hin und nicht nur hier ... Er soll ja gerade nicht nur in der Kehle bleiben sondern
00:46:35: durch den ganzen Körper
00:46:37: gehen.
00:46:38: Das sind natürlich Erfahrungen die man auch in reformierten oder protestantischen Kirchen machen kann So dass auch hier sich zeigt, man muss hier nicht immer auf das Unterscheidende und Exkluiver achten sondern auf was das Menschliche im Kern ausmacht.
00:46:56: Ja und auch die Aufmerksamkeit für die verschiedenen Ebenen die sowas hat also die Wünsche und Sehnsüchte die damit ausgedrückt werden diese Einbindung des Körpers auch vielleicht eine Art von... Ja, irgendwie Rückbindungs- und Gemeinschaftserfahrung.
00:47:14: Und das ist ja die große Stärke auch der biblischen Literatur dass da so viele Ebenen zusammengedacht werden.
00:47:23: also wenn wir nochmal den ganzen Bogen zurückgehen zu den ersten hebräischen Vokabeln Dass da eigentlich vieles von dem auch drin steckt.
00:47:32: Vielen herzlichen Dank nennt sie Rahn für dieses tolle Gespräch.
00:47:36: Vielen Dank für Ihre Forschung, vielen Dank für Ihren tollen Aufsatz, der mich dazu gebracht hat sie einzuladen.
00:47:42: Vielen Dank schließlich meine Redaktionskolleginnen von Kunst und Kirche Benita Meisner und Alexia Zeller ein die das sich nämlich ausgedacht hatten und sie angefragt haben und durch die bin ich auf Sie gestoßen.
00:47:56: So kurz ist manchmal der Weg von Berlin nach Zürich nach Bern.
00:48:01: Toll dass das geklappt hat Ja, sehr anregend.
00:48:06: Sehr schön!
00:48:06: Vielen herzlichen Dank.
00:48:08: und zum Dank gehört bei mir immer das ich zum Schluss die Möglichkeit gebe, Werbung zu machen einmal für was Eigenes und dann...
00:48:15: Was
00:48:16: andere gemacht haben?
00:48:16: Was fährt in der Heim?
00:48:18: Vielen Dank.
00:48:18: also was Eigen ist werden wir auch ein bisschen jetzt über dieses Empathie-Projekt gesprochen.
00:48:22: mein Buch dazu ist noch nicht da aber wir haben eine Kollegin und ich gemeinsam einen Sammelband rausgegeben zu diesem Thema Theologische Perspektiven auf Empathie.
00:48:33: Der ist auch online zugänglich dank großzügiger Unterstützung vom Schweizer Nationalfonds.
00:48:39: und wenn man sich dafür interessiert, auch für ganz verschiedene Perspektive das sind noch ethische und neugestamentliche und religionspädagogische Perspektiven drin dann kann man da mal reingucken.
00:48:51: Das sind auch zum großen Teil Texte die man gut lesen kann auch ohne große irgendwie theologische Vorbildung oder so.
00:49:00: Und noch für was anderes, das habe ich jetzt wirklich ganz spontan gemacht.
00:49:04: Ich hab heute aus meinem Postfach die neue Ausgabe der neuen Wege gezogen.
00:49:08: Das ist eine Schweizer Zeitschrift, die auf Leonhard Raghards unter anderem zurückgeht und da bin ich jetzt seit kurzem im Vorstand Team von Redakteurinnen und Redakteuren.
00:49:24: Und Menschen, die daran arbeiten und immer wieder wirklich interessante Perspektiven.
00:49:29: also gerade auch weil wir über verschiedene religiöse und spirituelle Perspektive gesprochen haben, die da wirklich vieles zusammenbringen so zu den Themen Religion, Religionskritik, soziale Zusammenhänge.
00:49:44: und die neueste Ausgabe heißt Gemeinsam Trauern.
00:49:47: Also auch das passt Passt so ein bisschen zumindest zu unserem Gespräch, ohne dass es jetzt auf eine traurige Note enden soll.
00:49:54: Aber
00:49:55: die Zeitschrift
00:49:55: wird auch in nach Deutschland verschickt.
00:49:57: Sehr
00:49:57: schön und da haben wir eine Gemeinsamkeit.
00:50:01: Wir kämpfen und arbeiten für Zeitschaften auf Papier.
00:50:05: Da ist das ein hartes Geschäft aber es öffnet doch noch manche Türen und neue Wege, die einfach nur so ein blödes Rumgetwitter am Nicht eröffnen würde.
00:50:17: Ganz genau!
00:50:18: Vielen Dank, liebe Nancy Rahn.
00:50:21: Viele Grüße nach Bern!